28. August 2019

Tipps für einen erfolgreichen Schulstart als Klassenlehrer 


Klassenlehrer zu sein ist aufregend, spannend, nervenaufreibend, erfüllend und manchmal auch ein wenig stressig. Gerade zum ersten Mal Klassenlehrer zu werden, ist für viele neue Lehrer etwas ganz Besonderes. Endlich können sie “Ihr eigenes Ding” machen und alles so gestalten und umsetzen, wie sie es sich im Vorfeld überlegt haben. Ideen aus dem Internet, die einen gewissen “Wow- Effekt” erzielten, können in die eigene Klasse übernommen werden.

Doch wer im neuen Schuljahr eine Klasse übernimmt, muss ich zahlreiche Dinge bedenken. Hier einige Tipps für einen guten Start ins Klassenlehrer-Dasein:

1. Lerne Deine neue Klasse kennen

Als Klassenlehrer hast du in der Regel mehr Stunden Unterricht in deiner Klasse als die anderen Lehrer. Du betreust deine Klasse vom Einstieg in die Schule bis hin zum Ausstieg und bist sowohl erster Ansprechpartner deiner Klasse, und auch im Lehrerkollegium.
Aus diesem Grund ist es von äußerster Wichtigkeit, dass du zu deiner Klasse eine Vertrauensbasis schaffst, und jeden einzelnen Schüler Deiner Klasse kennenlernst. So kannst du sicher sein, dass sich die Schüler bei Problemen an dich wenden, und nicht über Eltern und andere Lehrer kommunizieren.

Um das Vertrauen zu dir und Deiner Klasse zu stärken, hilft es, sich über folgende Rituale Gedanken zu machen:

*Wochenrituale wie Montagskreis, Klassenrat, Abschluss am Freitag, Reflektionsphasen, Freiarbeitszeit, Lernbänder ….
*Tagesrituale wie Begrüßung und Verabschiedung, Vorlesezeit, Lesezeit, offener Anfang, Frühstückszeiten
*Gedicht des Monats, Rätseltage
*Geburtstage feiern

 
2.  Erarbeite Routinen, Regeln und Konsequenzen 

Um erfolgreich als Klasse zusammen zu leben, bedarf es gewisser Routinen. Nutze die Zeit der Erneuerung dafür, festgefahrene Strukturen aufzubrechen und mit der Klasse schwierige Situationen zu reflektieren. Haltet Routinen, welche gut funktionierten fest, und überlege dir gemeinsam mit Deiner Klasse neue Routinen.

Folgende Fragestellungen können Dich dabei unterstützen:

*Allgemeine Regeln für ein gutes Zusammenleben und -arbeiten in der Klassengemeinschaft
*Gemeinsame Erarbeitung der Regeln: wie?
*Visualisierung der Regeln?
*Konsequenzen? Visualisierung?
*Regeln in verschiedenen Sozialformen?
*Belohnungssystem zur positiven Verstärkung?

3. Gestalte das Klassenzimmer

Schüler fühlen sich in einer angenehmen und liebevoll eingerichteten Lernumgebung am wohlsten. Schaffe deiner Klasse daher einen Raum, an welchen sie sich wohl fühlen. Spreche im Vorfeld mit Deinen Schülern, wie ihre Vorstellungen vom Klassenzimmern sind, und ob Sie sich zum Beispiel eine Spiel- oder Leseecke wünschen.

Folgende Fragestellungen können Dir bei der Gestaltung des Klassenraumes helfen:

*Einrichtung, Möbel, … wird noch was gebraucht? Kann etwas gekauft werden? Kann jemand was spenden?
*Position des Pults, Stellung der Tische, Gruppen- oder Einzeltische, zusätzliche Arbeitsplätze, …?
*Leseecke? Rechenecke? Bewegungsecke?
*Trennwände o.ä. zur Abgrenzung?
*Fächer für die Kinder, Kisten, Ablagen, …?
*Dekoration, Pflanzen, Poster, …

4. Organisiere dein Schuljahr 

Nichts ist wichtiger, als das Schuljahr zu organisieren, bevor es angefangen hat. Indem du dich umfassend auf das neue Schuljahr vorbereitest, bist du stets fit und ein kompetenter Ansprechpartner bei schwierig werdenden Situationen.
Eine Art “Liste” anzufertigen kann helfen. Dabei solltest du unter anderem die folgenden Fragen beantworten können:

*Abstimmung und Kommunikation mit Fachlehrern, regelmäßige Rückmeldung
*Elternarbeit: Kommunikationswege, Sprechzeiten, Telefonlisten, wer von den Eltern kann wann wobei helfen?, Elternabende, Rückmeldung, …
*Klassenkasse
*Was tun, wenn ein Kind krank ist? Wie kommt es an Material? Was ist mit den Hausaufgaben? …
*Materialien: welches Material gibt es an der Schule? Woher bekomme ich Bücher für die Leseecke? Was muss noch angeschafft werden? …
*Materialliste für die Kinder (meistens schon im Voraus auszugeben): was brauchen die Kinder, wie wird was und wozu benutzt?
*Fördermöglichkeiten: gibt es Förderkurse? Kann/will ich im eigenen Unterricht individuelle Förderpläne umsetzen?
*Wie will ich die Schüler über’s Schuljahr beobachten, was beobachte ich und wie dokumentiere ich meine Beobachtungen?
*Wie führe ich die Leistungsmessung durch? Wann? Wie fließen die Ergebnisse in meinen Unterricht mit ein?

5. Organisiere zeitnah den ersten Elternabend

Als Klassenlehrer solltest du nicht nur das Vertrauen der Schüler gewinnen, sondern auch das der Eltern. Auch die Eltern sind neugierig, wer der neue Klassenlehrer ist und wollen wissen, wem sie ihr Kind in der Schule anvertrauen. Die Eltern ihrerseits wählen die Elternvertreter oder Elternsprecher der Klasse, welche neben der Organisation der weiteren Elternabende eine wichtige Funktion haben: Sie sind das Bindeglied zwischen den Eltern der Klasse und dir. Probleme werden üblicherweise über die Elternvertreter an dich herangetragen werden. Über sie wird auch die Weiterleitung von Informationen an alle Eltern übernommen. 

6. Verteile die wichtigsten Aufgaben der Schüler am Anfang

Für einen reibungslosen Ablauf ist es wichtig, die zu wählenden Ämter möglichst umgehend zu vergeben. Dazu zahlen die (stellvertretenden) Klassensprecher sowie die (stellvertretende) Klassenbuchführung. Die Klassensprecher sind das Sprachrohr der Klasse und für Probleme der Schüler die ersten Ansprechpartner. Sie organisieren im Allgemeinen den Klassenrat, bei dem Belange rund um die Klasse besprochen werden.

Darüber hinaus sollte besprochen werden, wer den Ordnungsdienst und Pausendienst übernimmt.
 
7. Sorge für die Organisation von Papierkram

Briefe, E-Mails, Entschuldigungen, Anträge auf Beurlaubung, Rundschreiben an die Klassenlehrer – alles landet in einer enormen Anzahl auf deinem Schreibtisch. Es gilt, den Papierkram zu ordnen, damit etwaige Fristen von Zusagen oder Termine eingehalten werden können.
Tipp: Im Zeitalter der Digitalisierung und Ressourcenschonung kann ich empfehlen, das Zettelchaos so weit es möglich ist, digital zu halten. Das spart nicht nur Papier, sondern vereinfacht auch die Kommunikation. Heutzutage gibt es Chats und andere Hilfsmittel, über welche die alltägliche Kommunikation zwischen Lehrer, Eltern und Schüler vereinfacht wird.

8. Bereite dich auf die Zeugnisse von Anfang an vor

Zeugnisse sind zum Ende eines jeden Halbjahres fällig. Dort werden neben den Noten der Schüler in den einzelnen Fächern auch Fehltage eingetragen, für dessen Aufbereitung der Klassenlehrer verantwortlich ist. Diese Aufbereitung ist sehr aufwendig. Wenn du mit der Aufbereitung erst  zwei Monaten nach Schulanfang oder länger beginnst, ist es unmöglich nachzuvollziehen, ob die Fehlstunden des Schülers Krankentage waren, oder vielleicht doch ein Schultermin, welcher nicht entschuldigt werden muss.
Eine vorausschauende und bessere Möglichkeit ist es, an einem fest geplanten Tag, im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Rhythmus die Fehlstunden dieser Woche in eine Liste einzutragen, in welcher entschuldigte und unentschuldigte Fehlzeiten markiert werden.
Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass sofort erkennbar ist, wenn ein Schüler Fehlzeiten anhäuft und deshalb Probleme mit der Versetzung bekommen könnte. Du könntest im Ernstfall sofort reagieren.

9. Beobachte deine Schüler genau

Das Gruppenklima wirkt sich nicht nur auf das Wohlbefinden deiner Schüler, sondern auch auf die Lernprozesse in den Stunden deiner Kollegen und von dir aus. 
Wenn sich Schüler plötzlich zurückziehen, absondern, still werden oder sonstiges, ungewöhnliches Verhalten zeigen, weist dies häufig auf persönliche Probleme des Schülers hin. Es besteht Handlungsbedarf, denn Lehrer sollten das bestmögliche dafür tun, die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler zu schaffen. Im Fall der Fälle müssen Gespräche und Maßnahmen ergriffen werden, die von Elterngesprächen, bis hin zu Teambildungsmaßnahmen und darüber hinaus reichen können.

Die Erkenntnisse, welche aus der Beobachtung genommen werden, können dir dabei in der Zeugnisvergabe helfen. Dadurch kannst du das Sozialverhalten und andere Eigenschaften besser bewerten. Eigenschaften, z. B. Verantwortungsbereitschaft, Teamfähigkeit, Betragen und Zuverlässigkeit lassen sich ohne vorheriges Beobachten nur sehr schwer beurteilen.

10. Genieße die Zeit als Klassenlehrer

Klassenlehrer zu sein, bedeutet nicht nur eine Menge Verantwortung, sondern auch eine ganz besondere Zeit mit seiner Klasse zu verbringen. Nie lernt man seine Schüler so gut kennen und baut solch ein besonderes Verhältnis zu ihnen auf. Die Zeit vergeht unheimlich schnell und der Abschied von deiner Klasse kommt dann sicherlich viel schneller als es dir lieb ist.

Ich hoffe dir mit meinen Tipps ein wenig helfen zu können. Für Ergänzungen, Vorschläge und sonstige Anmerkungen, schreibe mir gern jederzeit eine Mail an madeleine.kiehn@skolar.de


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