9. August 2019

Über Youtube können innerhalb kürzester Zeit Informationen geteilt, und mehrere Millionen Menschen erreicht werden- vor allem junge. Die Plattform ist eine der meist genutzten Apps der 12 - 19jährigen. Viele von ihnen können sich ein Leben ohne Youtube nicht mehr vorstellen. 

Doch was schauen sich die Jugendlichen so alles auf Youtube an?  
Der Rat für Kulturelle Bildung, ein von verschiedenen Stiftungen finanziertes Beratungsgremium, hat das repräsentativ untersuchen lassen, indem 818 deutschsprachige Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren in ganz Deutschland befragt wurden. Das Ergebnis lässt aufatmen: Die Teenager nutzen die Videoplattform nicht nur in der Freizeit, sondern auch um gezielt nach Lernvideos zu schauen. Die Hälfte der Jugendlichen lernt damit für die Schule, etwa um Unterrichtsinhalte besser zu verstehen. Außerdem können die Videos bei den Hausaufgaben helfen. 

Der Studie zur Nutzung kultureller Bildungsangebote an digitalen Kulturorten zufolge, die im Juni diesen Jahres veröffentlicht wurde, kommt Youtube bei 12- bis 19-Jährigen bei der Nutzung gleich an zweiter Stelle nach WhatsApp (92 Prozent) und landet noch vor Instagram (61 Prozent), Facebook (61 Prozent) oder Snapchat (46 Prozent). 86 Prozent sagen, dass sie Youtube nutzen . Dabei kommt es zwar den meisten Jugendlichen, die Youtube nutzen, darauf an, dass die Videos “unterhaltsam” (63 Prozent) und “witzig” (59 Prozent) sind. Dennoch ist Youtube für die Jugendlichen nicht nur eine Spaß-Plattform zum Zeitvertreib.

Youtube als Nachhilfelehrer
Schüler sehen die Vorteile von Youtube vor allem darin, dass Inhalte anschaulich gestaltet und präsentiert werden. Darüber hinaus, besteht im Gegensatz zum klassischen Unterricht auf Youtube die Möglichkeit innerhalb des Videos jederzeit zurückspringen, eine besonders schwer verständliche Stelle zu wiederholen oder zu pausieren.
 Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern weisen auch darauf hin, dass die Youtube-Videos oft "besser/verständlicher/einfacher/deutlicher und einprägsamer" seien als der Unterricht in der Schule. Weiter spiele es in den Augen der Schüler eine Rolle, dass “Gleichaltrige” in den Videos besser erklären, und somit Youtube als eine Art digitaler Nachhilfelehrer verwendet wird.
Die Videoplattform liefert für alle Herausforderungen die passende Lösung: die Erklärung zu den binomischen Formeln in Mathe mit Übungen, einen komplizierten Chemie-Versuch, Aussprachehilfen in Englisch aber darüber hinaus auch Tipps beim kochen, Fahrrad reparieren, im bearbeiten von Bildern oder Do-it-yourself Projekten.

Die Studie zeigt die Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Youtube-Videos und dem Interesse für bestimmte Hobbys und für kreative Tätigkeiten: 
So werden zum Beispiel überwiegend Mädchen von Tanz- und Choreographie- Videos dazu animiert auch selbst mit dem Tanzen anzufangen (40 Prozent). Ähnliches lässt sich bei Schminkvideos feststellen.
Bei Jungen sind es Computerspiele: 38 Prozent derjenigen, die sich für Games interessieren sagen, Youtube-Videos über Games stärken ihr Interesse an diesen noch mehr. 
Darüber hinaus können die Videos das Interesse von Kindern und Jugendlichen für Musik, Film und Fotografie oder Tanzen steigern. Hier bietet die Plattform Tutorials ohne Ende.

Ersetzt Youtube den klassischen Unterricht?
Die Studie zeigt nach der Einschätzung des Rats für Kulturelle Bildung, dass Youtube die Bildungslandschaft verändert: "Man kann, wenn man das Medium schulseitig bewusst einsetzt, Unterricht anders aufbauen und auf diese Weise mehr Platz für individuelle Fragen und für Reflexion im Unterricht finden", sagt der Vorsitzendes des Expertengremiums, Eckart Liebau. Dabei stellt sich aber auch eine andere Frage: Wenn so viele junge Leute Youtube als Nachhilfe- und Erklärmedium nutzen: Machen dann die Lehrer etwas falsch?

Dazu sagt Heinz-Peter Meidinger vom deutschen Lehrerverband der Deutschen Presse-Agentur: "Ich sehe das relativ entspannt. Früher hätten sich Schüler von Klassenkameraden oder Eltern Dinge, die sie nicht verstanden haben, erklären lassen. Und da kommen eben jetzt als neues Element die Erklärvideos dazu. Den echten Unterricht ersetzen könne so etwas aber nicht.”

Im Gegensatz zum Akteur in einem einzelnen Video habe "eine Lehrkraft immer auch eine Gesamtverantwortung für eine ganze Klasse und muss auf viele verschiedene Schüler eingehen". Wichtig sei außerdem das Feedback durch Lehrerinnen und Lehrer. Bei Youtube gibt es nach Ansicht Meidingers sehr gute Lernvideos, es sei aber "auch viel Schrott dabei". Meidinger ermutigte Lehrer dazu, offensiv mit dem Thema umzugehen. "Es bricht sich keiner einen Zacken aus der Krone, wenn er Schüler auf ein gut gemachtes Youtube-Video hinweist".

Medienbildung in der Schule 
Die Studie zur Youtube-Nutzung zeigt neben den Fragen zur inhaltlichen Nutzung noch ein paar andere interessante Dinge. So wird zum Beispiel aufgezeigt, wie Kinder und Jugendliche eigentlich auf Videos bei Youtube klicken: Mehr als die Hälfte der Nutzer (53 Prozent) sucht gezielt nach Inhalten, gut jeder Dritte (36 Prozent) klickt sich durch Vorschläge, die von Youtube selbst angezeigt werden und 12 Prozent gehen bei Youtube immer zuerst auf Channels, die sie abonniert haben. 
91 Prozent sind Tipps von Freunden/Bekannten/Mitschülern am am wichtigsten bei der Auswahl von Youtube-Videos. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich bestimmte Videos in bestimmten Gruppen rasend schnell verbreiten.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, fordert, Schulen und Lehrerausbildung müssten sich auf die neue Situation einstellen.
"Heutzutage kann man keinen pädagogischen Beruf mehr erlernen, ohne sich nicht auch mit dem Thema der Medienvermittlung oder mit Medienkompetenz zu beschäftigen." 

Die Studie spricht eine klare Empfehlung aus: Künftig sollten Bildungsinstitutionen die audiovisuelle Wissensvermittlung stärker in die eigene Regie nehmen, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollten. Youtube habe sich nämlich zum Lernmedium entwickelt, sei aber kein primär pädagogisches Medium. Der Videokonsum auf der Plattform sei überwiegend durch Seh- und Verweildauer gelenkt, nicht durch Lernabsichten. Den echten Unterricht ersetzen Youtube-Videos nicht.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) rät Lehrern, Eltern und Schülern zu einer gesunden Skepsis bei der Nutzung von Youtube Videos. Es solle stets hinterfragt werden, ob die Informationen aus dem Video tatsächlich zutreffend sind.
"Videos werden als Wissensquelle immer beliebter, weil Wissen in Videos oft sehr anschaulich vermittelt wird.”, so die Bundesbildungsministerin. Die Schulverantwortlichen müssten den Schülern beibringen, wie sie nutzbringend, aber auch kritisch mit Informationen daraus umgingen.

Der “Digitalpakt Schule”, welcher sich hauptsächlich auf die Modernisierung der Schulen richtet, soll Lehrer darüber hinaus auch für den Umgang mit neuen Medien qualifizieren: "Ein wesentlicher Bestandteil ist, dass die Länder sich verpflichten, das Lehrpersonal auch in dieser Hinsicht richtig zu schulen.", so Karliczek.
Über den "Digitalpakt Schule" stellt der Bund den Ländern fünf Milliarden Euro zur Anschaffung von neuer Technik, die Einrichtung von Schul-WLAN oder auch für die Qualifizierung von Lehrern in Bezug auf Medien zur Verfügung.


Geschaffen für alle Beteiligten.

Die Skolar Schulcloud bringt Lehrkräfte, Eltern und Schüler näher zusammen. Sie schafft neue Kanäle für den direkten, unkomplizierten Austausch zwischen Menschen, Gruppen und Gremien. Zudem vereinfacht die Lösung zahlreiche Arbeits- und Verwaltungsprozesse.