27. April 2019

Der digitale Wandel hat einen erheblichen Einfluss auf unser Leben. Mittlerweile macht er auch keinen Halt mehr vor Schulen. Leben und Lernen verändern sich.
Digitale Medien gehören zum alltäglichen Gebrauch von Schülern und Lehrern.
Doch können Smartphone, Tablet & Co in der Schule einen positiven Lernbeitrag leisten und helfen, den Schülern einen vernünftigen und kompetenten Umgang mit digitalen Medien beizubringen? Oder überwiegen die Gefahren durch Ablenkung vom Lerngeschehen?

Pro digitale Medien
Die Nutzung digitaler Medien im Unterricht ist ein kontroverses bildungspolitisches Thema. Einigkeit besteht vorallem darin, dass Wissen sich nicht durch ein “paar Klicks” ersetzen lässt. DIgitale Medien müssen in den Unterricht integriert, und als Gestaltungschance begriffen werden.  

Integration
Durch den Einsatz der digitalen Medien verlernen Kinder nicht das handschriftliche Schreiben. Sie ersetzen nicht das Arbeitsblatt, die Handschrift oder gar die Lehrkraft, sondern dienen als eine von vielen verschiedenen Möglichkeiten, die die Lehrkraft nutzen kann. Das übergeordnete Ziel ist dabei stets die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen.
Die neuesten Technologien bieten vielfältige Möglichkeiten für das gesamte Schulsystem : Mit Hilfe der Tablets oder Whiteboards können Lehrende den Unterricht anschaulicher gestalten. So können in der Geografie-Stunde Lehrer und Schüler mit Hilfe der digitalen Tafel nach New York City eintauchen und Eindrücke genießen, welche ein Atlas nicht bieten kann. Tafelbilder können auf den Whiteboards gespeichert und an die Tablets der Schüler gesendet werden. Hausaufgaben auf dem Tablet können über den Beamer gezeigt und verglichen werden. Matheformeln können App als Videospiel erarbeitet werden anstatt im Frontalunterricht ….
Doch Vorsicht: Digitale Medien sollten nicht um jeden Preis in den Unterricht integriert, sondern sinnvoll eingesetzt werden.

Individualisierung
Die Individualisierung ist bei Einsatz der Medien ein wichtiger Vorteil. Schüler können auf dem Tablet Unterrichtsinhalte jederzeit, und so oft sie es brauchen, ansehen. So vertiefen sie ihr Wissen und bauen es aus. In der nächsten Unterrichtsstunde können sie das Erlernte mit dem Lehrer diskutieren, und Fragen stellen.
Künstliche Intelligenz erlaubt es, den Schülern individuelle Lernprogramme zu kreieren - angepasst an ihre Stärken und Schwächen in den jeweiligen Unterrichtsfächern. Was der Technologie über Nacht gelingt, würde der Lehrende für seine Klasse nur mit größten Zeitaufwand über einen langen Zeitraum schaffen.

Medienkompetenz
Kindern und Jugendlichen die Nutzung von Medien zu verbieten, aus Angst sie können diese ausnutzen und im nächsten Vortrag nur Wikipedia herauskopieren ist der falsche Ansatz. Während einige Schüler schon im Elternhaus einen gewissen Umgang mit Medien lernen, haben andere zu Hause nur wenig Auseinandersetzung mit diesen. Doch diese Auseinandersetzung erfordert eine ausgeprägte Medien- und Reflexionskompetenz, die nicht ausschließlich Zuhause gelernt werden kann. Medienpädagogische Projekte zu beispielsweise Themen wie Fake News oder Cybermobbing bereiten Kinder und Jugendliche auf eine Zukunft mit digitalen Medien vor.
Es ist wichtig, digitale Medien auch im Schulunterricht zu nutzen, um eine gewisse Medienkompetenz aufzubauen, und eine Grundlage für einen sinnvollen Umgang zu schaffen.

Contra digitale Medien

Automatisierung der Lehre
im November 1984 fand die erste Einführung des PCs an Schulen statt- Von diesem Zeitpunkt an, begann die Diskussion, ob alle Schulen einen Computer für den modernen und innovativen Unterricht bräuchten.
Es kam die Idee, man müsse die Lehre automatisieren, um sparsamer, effektiver und sachgemäßer zu unterrichten. Die Geschichte der Unterrichtsmaschinen und Automatisierungsversuche der Lehre hat Claus Pias aufgezeigt. Dort steht in Kurzform bereits das eigentliche Ziel: „Wie bekommt man mit möglichst wenig Ressourcen möglichst viel Stoff möglichst schnell in die Köpfe?“
Nicht erwähnt wird jedoch, dass auch nach über 30 Jahren Erfahrung mit Computern, Tablet & CO ein Mehrwert der digitalen Medien für die Schüler nicht belegt werden kann. Das bestätigte zuletzt die OECD-Studie zu Bildungsgerechtigkeit.

Lernen ist ein individueller und sozialer Prozess - kein technischer
In den Schulen und Kindergärten Chinas ist es bereits Alltag, dass ein Roboter an Stelle des Pädagogen tritt. Auch in Deutschland entwickeln anstelle des Lehrers, immer mehr virtuelle Coaches den Unterrichtsplan für die Schüler. Der Couch erstellt ein, für die Kinder zugeschnittenes, individuelles Lernprogramm und macht individualisiertes Lernen dadurch möglich. Doch Menschen lernen über Beziehungen. Menschen lernen, weil sie sich für ein bestimmtes Themengebiet interessieren und sie begeistert davon sind. Kann ein Mensch eine solche Beziehung zu einem Roboter aufbauen? Kann ein virtueller Coach auf dem Tablet die Beziehung zwischen Lernstoff und Schüler herstellen?

Wenn beim Lernen das Verstehen gemeint ist, lässt sich dies nicht automatisieren. Mit Internet, Web und App werden keine Lehrmittel bereit gestellt wie in einer Bibliothek, sondern es wird eine technische Infrastruktur mit permanentem Rückkanal aufgebaut. Es wird eine Reproduktion veranlasst, welche einem, dem Bulimie-Lernen ähnlichen Effekt aufweist: Informationen werden sich angeeignet und für kurze Zeit gespeichert, danach jedoch wieder gelöscht.

Fazit:
Erfolgreicher Unterricht ist digital – aber nicht ausschließlich. Als Kriterien für gelingenden Unterricht gelten weiterhin Qualifikation und Persönlichkeit der Lehrkräfte, gut strukturierter Unterricht und ein positives, d.h. lernförderliches Klima an den Schulen. Nicht relevant: die Anzahl von Computern oder Tablets. Tablets können den Unterricht positiv ergänzen, indem bestimmte Unterrichtsinhalte anschaulicher gestaltet werden können. Weiter ist es auch die Aufgabe der Schule, den Schülern einen Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen, damit diese eine optimale Medienkompetenz aufbauen können. Ein gesundes Maß “an digital” bestimmt dabei jede Lehrkraft für sich selbst. Digitale Medien sollten nicht um jeden Preis in den Unterricht integriert, sondern sinnvoll eingesetzt werden.


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